Meine Großeltern (mütterlicherseits). Ahnenreihe.

Ahnenforschung Kruse

Meine Großeltern (mütterlicherseits) Wilhelm und Anna Schumacher haben in Berlin, Stadtteil Spandau, in der Marschallstraße 10 gewohnt, als meine Mutter 1925 geboren wurde. Mein Großvater Friedrich Wilhelm ist am 03. Oktober 1886 in Carow, Kreis Jerichow II, Sachsen-Anhalt (bei Genthin) geboren worden und ist bereits am 03. November 1944 in Spandau an Kehlkopfkrebs 58-jährig gestorben. Er war Tischler von Beruf. Als Hobby hat Wilhelm Radios gebastelt, die damals gerade im Kommen waren. Er war Pfeifenraucher.

 

Meine Großmutter Anna Martha Luise Emma ist am 21. Juli 1886 in Arbshagen, Kreis Franzburg, Mecklenburg-Vorpommern (in der Nähe von Stralsund) geboren worden als eine geborene Gellin und am 20. Mai 1965 in Bremen- St. Magnus an Magenkrebs 78-jährig gestorben. Sie war während ihrer Ehe Hausfrau.

 

Wilhelm hat Anna in Greifswald/Pommern kennen gelernt, als er als Tischlergeselle auf der Wanderschaft war, was damals bei Handwerksburschen Brauch war. Anna war damals in Stellung in einem großbürgerlichen Haushalt. Wilhelm und Anna haben vor ihrer Hochzeit in Brandenburg bereits zusammen gelebt, wo 1912 ihr Sohn Werner als Ältester geboren wurde. Meine Großeltern haben erst dann am 03. August 1914 in Stralsund/Pommern geheiratet.

 

Danach sind sie nach Berlin gezogen. Zuerst haben Wilhelm und Anna mit ihrem Sohn Werner zur Untermiete in der Weißenburger Straße in Spandau gewohnt. Dort ist 1915 Margot geboren worden. Später sind sie zusammen innerhalb Spandaus in die Marschallstraße umgezogen. In der Weltwirtschaftskrise 1929 verlor Wilhelm seine Arbeit als Tischler. Wilhelm war dann viereinhalb Jahre arbeitslos während der damaligen Massenarbeitslosigkeit, bevor er bei Siemens als Tischler Arbeit fand.

 

Annas Eltern waren der Arbeiter Adolph Carl Theodor Gellin, geb. 27. Nov 1852 in Giesendorf, Kreis Vorpommern-Rügen, Mecklenburg-Vorpommern und Johanne Marie Henriette Grothe, geb. 29. Jan 1853 in Martensdorf, Kreis Vorpommern-Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, die am 31. Okt 1885 in Zipke, Kreis Nordvorpommern, Mecklenburg-Vorpommern geheiratet haben.

 

Wilhelms Eltern waren der Dienstknecht Carl Friedrich Schumacher, geb. 25. Jun 1855 in Bücknitz, Stadt Ziesar, Kreis Potsdam-Mittelmark, Brandenburg und Wilhelmine Friederike Altenkirch, geb. 13. Jun 1856 in Karow, Kreis Jerichow II, Sachsen-Anhalt, die am 1. Dez 1878 in Karow, Kreis Jerichow II, Sachsen-Anhalt geheiratet haben.

 

Am 27. Mai 1925 hat meine Mutter Ursula Anna Kruse das Licht der Welt erblickt als jüngstes von vier Kindern des Tischlers Wilhelm Schumacher in Berlin-Spandau. Sie wurde im Krankenhaus geboren. Ihre Mutter Anna (geb. Gellin) war Hausfrau. Anna hat in Heimarbeit Oberhemden geschneidert, um Geld hinzuzuverdienen, zumal Wilhelm viele Jahre arbeitslos war.  Sie hat bis tief in die Nacht gearbeitet.

 

Es wurden noch Gas-Straßenlaternen benutzt, die abends von einem Laternenmann angezündet wurden. Der Kutscher „Bolle“ lieferte mit seinem Pferdefuhrwerk Trockeneis zum Kühlen der Lebensmittel für Leute, die in ihrer Wohnung einen Kühlschrank besaßen. In der elterlichen Wohnung meiner Mutter gab es hingegen nur eine Speisekammer.

 

Im Gegensatz zum Dorf gab es in Berlin in den Häusern, auch in der elterlichen Wohnung meiner Mutter, elektrisches Licht, fließendes Wasser (aber nur kaltes) und WC mit Kanalisation. Bei ihr  war jedoch kein Badezimmer vorhanden. Die Familie hat sich morgens in der Küche gewaschen (Katzenwäsche), an einem Waschständer mit Schüssel.

 

Jeden Samstag hat die Familie in einer emaillierten Wanne in der Küche gebadet, wobei man sich im Stehen eingeseift hat. In der Nähe der elterlichen Wohnung befand sich ein Schwimmbad, wo man auch Wannenbäder zur Körperpflege machen konnte.

 

Die Küche war mit einer so genannten „Kochmaschine“, die aus Gasherd und Kohleherd bestand, zum Kochen ausgestattet. Der Kohleherd wurde mit Briketts und Holz befeuert und diente gleichzeitig zum Heizen. Abgewaschen wurde an einem Abwaschtisch in der Küche, der aus einem Küchentisch mit eingebauter Schublade bestand, in der sich zwei Schüsseln befanden, und zwar eine für kaltes bzw. eine für warmes Wasser. Dazu musste Wasser auf dem Gasherd warm gemacht werden. Die Wohnräume wurden pro Zimmer mit Kachelöfen unter Verwendung von Briketts und Holz beheizt.

 

Die elterliche Wohnung in der Marschallstraße 10 lag in einem großen 4-geschossigen Mietshaus im ersten Stock und war mit einem Erkerzimmer versehen. Es handelte sich um eine sehr große 3-Zimmer-Wohnung, deren Räume etwa drei Meter hoch waren. Die Marschallstraße war damals eine Sackgasse mit einem Bauernhof und einem Damenwohnstift für unverheiratete Lehrerinnen (Fräuleins) am Ende der Straße.

 

Die Jugendzeit meiner Mutter war geprägt durch die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges  (1939-1945). Bei Adolf Hitlers Machtergreifung (1933) war sie 8 Jahre, bei Kriegsbeginn dann 14 Jahre alt.

 

Als meine Mutter 1942/1943 zum Tanzen gegangen ist, hat ihr Vater Wilhelm den Rat gegeben, sich von den Soldaten das Soldbuch zeigen zu lassen, wo drin steht, ob sie verheiratet sind – also auf ein Abenteuer aus sind. Als meine Mutter meinen 10 Jahre älteren Vater Georg beim Tanzen kennen lernte im Mai 1942, war sie 17 Jahre alt. Mein Vater war Oberfeldwebel der Luftwaffe und zu jener Zeit beim Wachbataillon in Berlin stationiert. Meine Eltern haben sich 1943 verlobt.

 

Nachdem mein Vater im September 1944 in Kriegsgefangenschaft geriet, haben beide ihre Liebe füreinander durch einen regen Briefwechsel gepflegt. Mein Vater Georg hat Wilhelm noch kennen gelernt. Wilhelm hat noch miterlebt, wie mein Vater Georg in Kriegsgefangenschaft kam.

 

Als meine Mutter 19 Jahre alt war, ist ihr Vater Wilhelm gestorben im November 1944, wie bereits erwähnt. Weil ihre Schwestern Margot und Lydia zu diesem Zeitpunkt bereits von zu Hause ausgezogen waren – ihr Bruder Werner war zuvor als Soldat im Lazarett gestorben - , musste meine Mutter ihrer Mutter Anna in der schweren Zeit nach dem Tod von ihrem Vater Wilhelm beistehen. Ihre Mutter Anna hat dann zu meiner Mutter gesagt:“ Du bist jetzt mein kleiner Mann.“

 

Während des Zweiten Weltkrieges hat meine Mutter die „Verdunklung“ miterlebt. Die Fenster der Häuser mussten nachts mit Wolldecken verhängt werden, damit kein Licht nach draußen schien. Die Autos auf den Straßen mussten ohne Scheinwerferlicht fahren. Diese „Verdunklung“ sollte bewirken, dass Berlin nachts nicht von den feindlichen Bombenflugzeugen der Alliierten aus durch die Lichter am Erdboden erkennbar war.

 

Meine Mutter hat auch die schweren Luftangriffe 1945 durch die alliierten Bomber auf Berlin durchstehen und mit ihrer Mutter viele Stunden im Luftschutzkeller unterhalb ihres Wohnhauses verbringen müssen. Die elterliche Wohnung blieb Gott sei Dank von den schweren Luftangriffen verschont und wurde nicht zerstört. Gegen Ende des Krieges hatte meine Mutter mit ihrer Mutter Anna nicht mehr genug zu essen. Anna hat sogar versucht, aus Kartoffelschalen eine Suppe zu kochen, um den größten Hunger zu stillen.

 

Meine Mutter war auch Zeitzeugin des Einmarsches der sowjetischen Truppen (Rote Armee) 1945 in Berlin. Die Russen haben anfangs ganz Berlin, also auch Spandau besetzt. Dieser Stadtteil wurde später dann an die Engländer übergeben. Die russischen Soldaten haben auch geplündert und Frauen vergewaltigt.

 

Als Berlin dann 1948 geteilt wurde in Ost- und Westteil, wohnten Margot und Lydia mit ihrem Mann Fritz Kabs in Ost-Berlin (sowjetischer Sektor), genau gesagt im Stadtteil Pankow. Spandau (britischer Sektor), der Geburtsort meiner Mutter, lag dann in West-Berlin (amerikanischer, britischer, französischer Sektor). Die Ostzone (sowjetische Besatzungszone) von Deutschland wurde dann später (1949) die sozialistische (kommunistische) DDR (Deutsche Demokratische Republik) mit der Hauptstadt Ost-Berlin.

 

© 2015  Manfred Kruse, Baiersdorf

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