• Manfred Kruse

Tagesschicht Eb5 Klöckner 1968

Nachfolgend ein Auszug aus meinem selbst geschriebenen Buch: "Schulzeit und Berufsleben", Copyright August 2020 Manfred Kruse:


"[ ] Einmal pro Woche wurde während der Frühschicht das komplette Warmwalzwerk stillgelegt zu Wartungszwecken. Dann wurden sämtliche Reparaturen und Umbauten durchgeführt. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich sehr gut an die Blockstraße, wo ich auch mit der Tagesschicht von Eb5 öfters war.

[ ] Bei der Blockstraße waren der Obermotor und der Untermotor der Walzen jeweils so groß wie ein Haus. Diese Elektro-Motoren waren begehbar zu Wartungszwecken. Die obere Hälfte des Motors war Überflur im Motorenhaus, die untere Hälfte des Motors war Unterflur im Keller. Vom Motorenhaus gingen die meterdicken Motorwellen durch die Mauer in die abgetrennte Walzhalle zu dem Walzgerüst, weil die Walzhalle total verdreckt war durch Ruß, Zunder, Staub. Beim Walzen herrschten rohe Urgewalten. Die Blockbramme bestand aus paar Kubikmeter massiven gelb glühenden Stahl (1.000 !! Grad Celsius) mit dem geschätzten Gewicht einer Lokomotive. Aus der Blockbramme wurde eine Bramme ausgewalzt. Zu Beginn des Walzen gab es einen sehr lauten dumpfen Knall und das ganze Fundament, auf dem ich stand, bebte und zitterte Furcht einflößend unter meinen Füssen. Dazu polterte und rumpelte es bedrohlich beim Auswalzen. Die Walzenkühlung schleuderte gigantische Wassermassen mit voller Wucht auf die Blockbrammen, und es bildeten sich riesige das Walzgerüst einnebelnde wabernde Dampfschwaden. Der schwarze Zeiger an der großen weißen Walzuhr hoch oben am Walzgerüst rotierte schnell synchron mit dem Öffnen bzw. Schließen der Walzenanstellung. Zwischendurch wurde mit einem ohrenbetäubenden donnernden Rums die Blockbramme umgeworfen, um sie von allen Seiten zu walzen. Der Steuermann saß in einer Hitze dichten, wegen der flirrenden gleißenden Luft abgedunkelten Kabine direkt über dem Walzgerüst. Nach dem Auswalzen der Blockbramme zu einer Bramme verschwand diese mit einem monotonen Plopp...plopp... plopp-Geräusch über den Rollgang in Richtung Vorstraße. Diese visuellen, akustischen, emotionalen Eindrücke sind jetzt bei mir als alter Mann wieder lebendig in meiner Erinnerung geworden und faszinieren und fesseln mich erneut so intensiv, wie damals vor 50 Jahren".


Anmerkung: Klöckner gibt es seit den 90er Jahren nicht mehr.


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