• Manfred Kruse

Meine Grosseltern geboren 1880er

"Chronik meiner Großeltern, Eltern, meiner Kindheit und Jugend sowie meiner eigenen Familie" ( © 2008), Auszug aus meinem vorstehend selbst verfassten Buch:


Es waren unruhige Zeiten in politischer, gesellschaftlicher, technischer Hinsicht. Mein Großvater (väterlicherseits) – er hieß auch Georg, wie mein Vater – wurde 1883 geboren und meine Großmutter (väterlicherseits) - Anna, geb. Röben - 1880 im deutschen Kaiserreich, noch unter Kaiser Wilhelm I. (1871–1888). Geheiratet haben meine Großeltern (väterlicherseits) 1905 in Edewecht/Ammerland unter Kaiser Wilhelm II. (1888–1918), weit vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918), in dem mein Großvater Soldat war.


Mein Großvater (mütterlicherseits) Wilhelm Schumacher und meine Großmutter (mütterlicherseits) Anna, geb. Gellin, wurden beide 1886 geboren, also auch unter Kaiser Wilhelm I. (1871-1888). Geheiratet haben meine Großeltern (mütterlicherseits) 1914 in Stralsund/Pommern. Mein Großvater Wilhelm war vermutlich kein Soldat im Ersten Weltkrieg (1914-1918). Ich führe die biografischen Daten an dieser Stelle so genau an, um zu belegen, dass meine Großeltern beiderseits noch ein Deutsches Kaiserreich als Erwachsene voll erlebt haben.

Das Deutsche Kaiserreich war ein Obrigkeitsstaat; es gab die da oben und die da unten. Die Oberen erteilten Befehle, die Unteren führten sie aus. Es gab Millionen von Dienstboten (Stubenmädchen, Tagelöhner, Kutscher, Mägde, Knechte, Stallburschen, Köche, Gärtner, etc.), die den Herrschaften – dem gnädigen Herrn oder der gnädigen Frau – das Leben so angenehm wie möglich machen sollten. Der größte Teil der Bevölkerung lebte auf dem Land als Selbstversorger (Bauern), oder es waren teilweise freie Bauern, deren Höfe schon seit Generationen im Familienbesitz waren.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges (1914–1918), welchen Deutschland verlor, ging auch das Deutsche Kaiserreich unter. Kaiser Wilhelm II. dankte ab. Es folgte die Weimarer Republik, die erste Demokratie in Deutschland. In diese Zeit fiel die Weltwirtschaftskrise 1929 mit dem „Schwarzen Freitag“ (Kurssturz an der New Yorker Börse in der Wall Street), dem die Inflation sowie die Massenarbeitslosigkeit folgten. Es waren Geldscheine mit 1 Billionen Reichsmark Nennwert im Umlauf. Das Geld war nichts mehr wert, und die Leute verloren ihre Ersparnisse.


In die Epoche 1880-1933 fällt auch die weiter voranschreitende Industrialisierung, die eine Abwanderung von Menschen vom Land in die Stadt bewirkte, um dort in den Fabriken zu arbeiten. In den Fabriken wurden bei der Industrialisierung vermehrt Dampfmaschinen, später dann Elektro-Motoren, eingesetzt, die über Transmissionen (Riemenantriebe) mehrere Arbeitsmaschinen antrieben. Vorher wurde ausschließlich in Handarbeit gefertigt durch die Arbeiter. Durch die Steigerung der industriellen Produktion kamen immer mehr Arbeiter in die Großstädte, die an Einwohnerzahl zunahmen. Durch die teilweise schlechten Arbeitsbedingungen und die geringe Entlohnung und Verelendung der Arbeiterfamilien entstanden auch viele soziale Spannungen bzw. Probleme. Teilweise wurden auf dem Lande auch schon Dampfmaschinen eingesetzt, die z.B. die Mähdrescher antrieben bei der Getreideernte von Großbauern oder auf den Gütern der Großgrundbesitzer.

Das Eisenbahnnetz der Deutschen Reichsbahn wurde zügig ausgebaut mit vielen kleinen Nebenstrecken, die nach Kleinstädten führten. Die Dampflokomotiven wurden erst während der 60er Jahre verdrängt durch die Elektrifizierung der Eisenbahnstrecken. Während im Ersten Weltkrieg noch Kavallerie (berittene Soldaten zu Pferd) eingesetzt wurde, gab es dann im Zweiten Weltkrieg ausschließlich Armeekraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor und Propellerflugzeuge. Von Peenemünde wurden Raketen (die V2) abgeschossen, um englische Städte anzugreifen. Zugleich schritt die Technisierung der Umwelt bzw. im Alltagsleben, zuerst in den Städten, erst viel später auf dem Lande, voran: Automobile, elektrische Straßenbahnen, Strom (Elektrizität), fließendes Wasser (Wasserleitung), Kanalisation, Rundfunk (Radios), Telefon, etc.

Meine Großeltern (väterlicherseits) haben zu dieser Zeit gelebt, allerdings in der Abgeschiedenheit ihres Dorfes Osterscheps. Wenn man bedenkt, dass der Rundfunk auf dem Lande nicht verbreitet war, das Fernsehen noch nicht erfunden und nur wenige Leute regelmäßig eine Zeitung lasen, kann man sich vorstellen, dass sie nur die wesentlichen Nachrichten der damaligen Zeit mitbekommen haben, es sei denn, ihr persönliches Alltagsleben war davon unmittelbar betroffen.


Meine Großeltern (mütterlicherseits) wohnten bei der Geburt meiner Mutter (1925) bereits in Berlin, zu jener Zeit Hauptstadt der Weimarer Republik (1918-1933). Sie waren den zuvor schon erwähnten technischen Fortschritt gewöhnt in der Millionen-Metropole Berlin. Der Unterschied im Alltagsleben der beiden Großelternpaare hätte daher nicht krasser sein können. Die einen wohnten in einem kleinen, verschlafenen Bauerndorf, gewöhnt an das harte Landleben, und die anderen hatten Anteil an der technischen Zivilisation einer Millionenstadt.

Die Weimarer Republik war die erste Demokratie auf deutschem Boden, aber nur von kurzer Dauer, weil es keine stabilen politischen Mehrheiten im Reichstag gab. Es waren nämlich etliche Parteien, auch Splittergruppierungen, im Parlament vertreten. Daher haben die Väter unserer heutigen Verfassung die 5%-Hürde bei der Wahl eingeführt, die diesem Missstand entgegenwirkt. Adolf Hitler kam daher ganz legal an die Macht 1933, ohne dass es eines Putschversuches bedurft hätte. Ich will an dieser Stelle nicht auf historische Einzelheiten eingehen, die man in jedem Geschichtsbuch nachlesen kann. Mir kommt es lediglich darauf an, meine Chronik mit der Geschichte der damaligen Zeit zu verzahnen, um so dem Leser das Leben meiner Großeltern anschaulicher zu machen.


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