• Manfred Kruse

Hausfrauendasein 1950er

"Chronik meiner Großeltern, Eltern, meiner Kindheit und Jugend sowie meiner eigenen Familie" ( © 2008), Auszug aus meinem vorstehend selbst verfassten Buch:


Unsere Wohnung befand sich in einem mehrgeschossigen Wohnblock mit dunkelgrauem Rauputz an der Fassade, wie es bei den Nachkriegswohnbauten verbreitet war, wo das triste Grau vorherrschte. In unserem Hauseingang wohnten acht Familien einschließlich uns, und zwar Parterre, 1. Stock, 2. Stock, Dachgeschoss.

Im Treppenhaus unseres Wohnblocks gab es eine dunkelbraune Holztreppe mit geschlossenen, kastenförmigen Stufen, welche beim Begehen knarrten. Der Handlauf der Treppe bestand ebenfalls aus massivem, dunklem Holz. In jeder Etage gingen vom Treppenflur zwei Wohnungstüren ab, die mit einem Türspion ausgestattet waren. Die Kellertreppe war mit einer Holzkabine, die eine Tür aufwies, verkleidet, so wie man es heute noch bei alten Nachkriegshäusern sehen kann. Im Kellergeschoß befand sich eine Gemeinschaftswaschküche mit emaillierten Bottichen, die in einem Steinbecken eingemauert waren. Diese Waschbottiche wurden mit Kohle beheizt, um die Waschlauge zu erhitzen. Dazu musste erst einmal umständlich Feuer gemacht und geschürt werden. Jede Familie hatte nach einem am schwarzen Brett im Treppenhaus ausgehängten Waschplan ihren festen Waschtag. Das Waschen war damals eine mühselige Angelegenheit. Waschmaschinen waren noch nicht verbreitet. Die Hausfrauen haben dabei die schmutzige Wäsche auf einem Waschbrett gerubbelt, damit der Dreck sich herauslöste. Außerdem befanden sich im Keller die Gemeinschaftstrockenräume zum Trocknen der Wäsche. Im Trockenraum war eine Wäscheleine zeilenförmig gespannt, an der die nassen Kleidungsstücke mittels Wäscheklammern zum Trocknen aufgehängt wurden.


Außerdem hatte jede Familie im Kellergeschoß einen eigenen separaten Vorratskeller. Wir hatten in diesem Keller Eierkohlen und Briketts gelagert für die Kohleöfen in unserer Wohnung. Die Kohlen wurden zentnerweise in Jutesäcke abgefüllt vom Kohlenhändler ins Haus geliefert. Der Kohlenträger hat dazu den Kohlensack geschultert, in den Keller heruntergetragen und in der Kohlenecke den Sack ausgeleert, um diesen wieder leer mitzunehmen. Zusätzlich haben wir im Herbst Kartoffeln vom Bauern anliefern lassen. Diese wurden ebenfalls zentnerweise in Säcken gebracht und in die Kartoffelhorte eingelagert, so dass wir bis zur Ernte der Frühkartoffeln versorgt waren.


Draußen im Hof waren Teppichstangen aufgestellt zum Teppichklopfen, da Staubsauger noch nicht verbreitet waren. Die losen Teppiche wurden beim Großreinemachen aufgerollt aus der Wohnung herunter in den Hof getragen, über die Teppichstange gehängt und mit dem Teppichklopfer ausgeschlagen, damit der Staub und Schmutz herausgeht.


Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer wurden mit Kohleöfen beheizt. Beim Feueranmachen wurden erst Zeitungspapier und einige Holzscheite angezündet und dann langsam auf die angefachte Glut Eierkohlen und Briketts aufgeschüttet, dabei wurde das Feuer mit einem Schürhaken geschürt. Die Kohlen mussten umständlich im Kohlenschütter aus dem Keller drei Stockwerke das Treppenhaus hoch getragen werden. Wenn das Kohlefeuer ausgebrannt war, musste aus dem Kohleofen mit dem Schürhaken die Asche heraus gekratzt werden.

Die Küche war mit einem Gasherd zum Kochen, einem Autogeiser für die Warmwasseraufbereitung und einer kleinen Speisekammer – Kühlschränke gab es nicht - versehen. Wenn der Warmwasserhahn aufgedreht wurde, sprang der Autogeiser an, und das durchlaufende kalte Leitungswasser wurde in ihm erhitzt. Der Autogeiser funktionierte ebenfalls mit Gas. Das Badezimmer war mit einer Dusche, die durch einen Duschvorhang abgetrennt wurde, einem Waschbecken und einem WC ausgestattet. Das WC besaß unter der Zimmerdecke einen oben offenen Spülkasten aus Metall, wenn man an der Kette zog, schoss das Wasser durch das Fallrohr in das WC-Becken, um die Notdurft wegzuspülen.


Damals gab es eine genau festgelegte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Der Mann war der alleinige Ernährer der Familie und die Frau Mutter und Hausfrau. Meine Mutter war für den reibungslosen Ablauf im Haushalt zuständig, wobei das Hausfrauendasein damals die Frauen voll forderte, weil es noch nicht die technischen Errungenschaften gab, die heute die Hausarbeit wesentlich erleichtern. Das umständliche Heizen mit den Kohleöfen habe ich schon beschrieben, ebenso die arbeitsaufwendige Tätigkeit des Wäschewaschens. Kleine Wäschemengen pflegte meine Mutter im großen Topf auf dem Gas-Herd auszukochen.


Beim Saubermachen hat meine Mutter die Steinfußböden mit Schmierseife abgeschrubbt bevor sie gebohnert wurden. Beim Mittagessen kochen musste meine Mutter alles selber zubereiten und kochen. Das Gemüse wurde stets frisch zubereitet. Fertiggerichte oder Konserven, die die Zubereitungszeit verkürzt hätten, waren unbekannt. Nebenbei hat meine Mutter Pullover für mich gestrickt und auch Kleidung für mich geschneidert, war sie doch gelernte Schneiderin. Meine Mutter war mit meiner Erziehung und Betreuung und ihrem Haushalt voll ausgelastet und war eine vorbildliche Mutter, Hausfrau und Ehefrau.


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