• Manfred Kruse

Dampfzug Bahnreise 1950er

Aktualisiert: 8. Aug 2019

"Chronik meiner Großeltern, Eltern, meiner Kindheit und Jugend sowie meiner eigenen Familie" ( © 2008), Auszug aus meinem vorstehend selbst verfassten Buch:


Der Besuch bei Onkel Arnold war für mich als kleiner Junge jedes Mal ein großes Ereignis. Wir sind mit dem Dampfzug von Bremen nach Oldenburg gefahren. Damals waren die Personenwaggons grün lackiert aus genietetem Blech, und sie hatten drei Klassen. Jeder Waggon hatte mehrere Abteile, die getrennte Außentüren aufwiesen und besaß Holzsitze. Man konnte nicht, wie heute, durch den ganzen Zug laufen sondern nur vom Bahnsteig aus in den jeweiligen Waggon gelangen.


Vor der Fahrt ist ein Bahnarbeiter am Zug entlang gelaufen und hat mit einem großen Vorschlaghammer die Bremsbacken an den Rädern des Waggons alle abgeklopft, um festzustellen, ob sie gängig sind und damit während der Fahrt keine Bremse heiß läuft. Die Glasfenster der gewölbten Hallendachkonstruktion des Bremer Hauptbahnhofs waren rußgeschwärzt vom Rauch der Dampflokomotiven. Die Fahrkarten mussten am Fahrkartenschalter gekauft werden. Beim Passieren der Sperre wurde die Fahrkarte von einem Bahnbeamten gelocht, d. h. entwertet, bevor man durch einen Tunnel unter den Gleisen entlang und die Treppe hoch auf den Bahnsteig gelangte. Die Zugabfahrt wurde auf dem Bahnsteig mit austauschbaren, weißen Blechschildern angezeigt, die der Aufsichtsbeamte bei Bedarf auswechseln musste.


Die Türen mussten von den Reisenden selber geschlossen werden, da sie nicht automatisch zugingen. Vor der Abfahrt ist der Zugschaffner am Zug entlang gelaufen und hat die eventuell noch offenstehenden Türen zugeschlagen und dann mit der Trillerpfeife und der Kelle dem Lokführer das Signal freie Fahrt gegeben. Wenn auch das Zugsignal am Bahngleis „Freie Fahrt“ anzeigte, indem der Signalhebel nach oben stand, fuhr der Dampfzug los. Während der Bahnfahrt nach Oldenburg hatten wir Zwischenstopps in Delmenhorst und Hude.




Ich habe auch noch Szenen vor meinem geistigen Auge, als wir Tante Frieda einmal mit dem Dampfzug besucht haben. Wir mussten dazu von Bremen nach Bad Zwischenahn fahren, dessen Bahnhof hinter Oldenburg folgte an der Eisenbahnstrecke nach Wilhelmshaven. Als wir aus dem Personenwaggon in Bad Zwischenahn am Bahnhof ausgestiegen sind, hat die dem Zug vorgespannte, mächtige, rot und schwarz gestrichene Dampflokomotive mit ihren gewaltigen Rädern und Kurbelstangen, die tüchtig fauchend und rauchend, in Dampfwölkchen gehüllt, am Bahnsteig stand, meine Blicke magisch angezogen.


Außerdem schwenkte mein Blick rüber zu der geschlossenen Bahnschranke, vor der einige Autos warteten, und dem Schrankenwärter, der in seinem Häuschen saß und darauf wartete, die Schranke wieder hochdrehen zu können. Vom Bahnhof in Bad Zwischenahn sind wir dann zu Fuß etwa 30 Minuten zu Tante Frieda gelaufen.


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