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Das Elternhaus meines Vaters (1915-1998). Kruse Edewecht.

Ahnen Edewecht

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Elternhaus Georg Kruse (Rückseite) in Osterscheps. Baiersdorf

© 2015  Manfred Kruse, Baiersdorf

40. Dienstjubiläum von Georg Kruse. Baiersdorf

Aus obiger Jubiläumsurkunde ist erkennbar, dass mein Vater 1934 zur Polizei gegangen ist. Er war aber vor dem Krieg auch schon freiwiilig bei der deutschen Wehrmacht Soldat.

Ich habe in der Nähe von Oldenburg in Niedersachsen das Licht der Welt erblickt als Sohn (einziges Kind) des damaligen Landwirts und Torfarbeiters Georg Kruse (1915-1998) und dessen Ehefrau Ursula, geb. Schumacher. Mein Vater wartete zu jener Zeit auf die Wiedereinstellung bei der Polizei in Bremen, nachdem er 1947 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war. Vor dem 2. Weltkrieg (1939-1945) war mein Vater bei der Bremer Polizei schon Schutzmann gewesen.

 

Meine Eltern wohnten im Elternhaus meines Vaters in Edewecht äußerst beengt und besaßen keine eigene Privatsphäre. Dieses Haus war ein jahrhundertealtes, niedersächsisches, Reet gedecktes Bauernhaus. Die Wände bestanden aus Fachwerk, welches aus Eichenholz und rotem Ziegelstein bestand. Unter dem mächtigen tief herunter gezogenen Strohdach duckten sich kleine Sprossenfensterchen. An der Hausvorderseite befand sich ein großes, zweiflügeliges Hoftor. In diesem Haus hat meine Mutter mich nachmittags mit Hilfe einer Hebamme zur Welt gebracht. Als Wiege diente in den ersten Lebensmonaten von mir ein Wäschekorb, in welchem ich auf einen Strohsack gebettet lag. Mein Opa (väterlicherseits) war Landwirt (Selbstversorger) und arbeitete nebenbei im Moor als Torfarbeiter. Mein Vater ist mit ihm zusammen ins Moor gegangen.

 

An dem Elternhaus meines Vaters grenzte ein Gemüsegarten mit alten Obstbäumen an, den meine Oma (väterlicherseits) bestellte. Mein Opa hielt Schweine, Ziegen und Hühner. Zum Pflügen seines Ackers hat er sich vom Nachbarn ein Pferd ausgeliehen, ein eigenes besaß er nicht. Wenn mein Opa mit meinem Vater ins Moor gegangen ist, sind sie schon in aller Herrgottsfrühe vor Sonnenaufgang mit dem Fahrrad losgefahren. Die Verpflegung haben sie sich von zu Hause mitgenommen. Der Torfabbau im Moor erfolgte mit reiner Muskelkraft und war körperliche Schwerstarbeit.

 

Im Dorf gab es einen Gemischtwarenhändler und eine kleine Bäckerei, ansonsten musste meine Mutter mit dem Fahrrad ins benachbarte größere Edewecht zum Einkaufen fahren. Wasserleitung und Kanalisation waren in dem Dorf nicht vorhanden. Das Trinkwasser wurde im Garten aus einem Brunnen mit dem Eimer geschöpft, und es gab draußen ein Plumpsklosett. Gekocht und geheizt wurde mit Torf. Elektrizität war bereits vorhanden.

 

Der Landkreis wurde damals geprägt durch ausgedehnte Weidelandschaften mit Milchkühen und Pferden, die bis auf den Winter ständig draußen waren sowie durch große Moorgebiete. Viele Männer waren damals als Nebenerwerb im Moor beim Torfabbau beschäftigt. Heute ist die einstmals urwüchsige, unberührte Moorlandschaft durch rigorosen Torfabbau fast vollständig verschwunden.

 

Der Landkreis liegt etwa 80 Kilometer von der Nordseeküste entfernt, und es herrscht oft stürmischer Wind und Regenwetter. Die Sommer sind nicht so warm und die Winter nicht so kalt wie in Süddeutschland. Das Ammerland liegt in der Marsch der Norddeutschen Tiefebene und ist völlig flach, man kann stets bis zum Horizont schauen, wenn die Bebauung es zulässt. So wie die Landschaft besitzen auch die dortigen Bewohner eine herbe Mentalität und einen rauen, spröden Charme.

 

Die Bauern waren seit Generationen ortsansässig und mit ihrem Grund und Boden, ihrer Scholle, verwurzelt. Der älteste Sohn erbte jeweils den Hof vom Vater. Die jüngeren Brüder mussten als Knechte arbeiten und die Schwestern in Stellung gehen bis sie heirateten, unter die Haube kamen. Der Lebenslauf eines Menschen stand somit bei seiner Geburt schon von vornherein fest. Aus seiner Gesellschaftsschicht aufzusteigen, in die man hinein geboren wurde, war fast unmöglich. Es gab eine reine Klassengesellschaft. Im Ammerland liegt das Zwischenahner Meer, ein viele Hektar großes Binnengewässer. An ihm liegt die gleichnamige Kleinstadt Bad Zwischenahn. Von Bremen verlief eine Dampfeisenbahn-Hauptstrecke über Delmenhorst, Hude, Bad Zwischenahn, Sande nach Wilhelmshaven. In Bad Zwischenahn zweigte eine Dampfeisenbahn-Nebenstrecke nach Edewecht ab.

 

Die Häuser wiesen Fachwerk auf oder waren mit Klinker verkleidet, jeweils aus roten Ziegelsteinen. Auch die Landstraßen waren mit Klinkern gepflastert. Asphalt als Fahrbahndecke war noch nicht bekannt. Die Ziegelsteine (Backsteine) wurden in ortsansässigen Ziegeleien mit eigenen Tongruben hergestellt. Die Mechanisierung der Landwirtschaft steckte erst in den Anfängen. Die Bauern haben noch viel mit Muskelkraft und mit Arbeitspferden gearbeitet. Die kleineren Bauern waren Selbstversorger, z. T. auf gepachteten Höfen. Die Großbauern hatten Knechte und Mägde in Stellung, die auf dem Hof mit wohnten und verpflegt wurden.

 

© 2015  Manfred Kruse, Baiersdorf

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